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Kulturschutz – Theater in MV

Demo am 11.3.13!

Liebe Kultur!

Da will man Dir also wieder mal an den Kragen. Atara[x]ia ruinieren. Konservatorium privatisieren. Speicher auch. Schleswig-Holstein-Haus eindampfen und Zuschuss einfrieren. Und wenn in der Kultur abgebaut wird, dann auch noch gleich in der Jugendarbeit…

Am 11.3. tagen die Stadtvertreter im Rathaus und es ist meines Erachtens selbstverständlich, dass wir da demonstrieren, wie bereits im März 2012 für das Theater.

Junge Schweriner, die schon unter der Kulturschutzflagge campten, haben die Demo angemeldet und ein Aktionsbündnis gegründet. Deren Ziel ist neben dem Kulturschutz auch ausdrücklich der Schutz der gefährdeten Jugendarbeit. Deshalb wird es bei der Demo neben den kulturellen Beiträgen unterschiedliche Redebeträge geben. Mir scheint wichtig, dass die Kulturinstitutionen der Stadt, egal in welcher Trägerschaft sie sich befinden, als Akteure und Demonstranten beteiligt sind.

Deshalb:

  1. Kommt zur Demo! Beginn ca. 15.30 Uhr. (Beginn der Stadtvertretersitzung 17 Uhr)
  2. Schreibt mir, welche Beträge trotz gefährlicher Witterung am 11.3. denkbar sein könnten!
    Mein Traum wäre, wenn wir nach einer Eröffnung durch eine Band vom Ataraxia und den Reden von ca. 16.20 an für eine runde Stunde ein kulturvolles Schwerin präsentieren könnten, mit instrumentalem Miteinander, mit Grußworten und Bildern, mit Chor und also Gruppenerlebnissen, mit Wunderkindern und Kultursenioren, mit Spaß und Qualität.

Lasst uns unermüdlich für die zu verteidigenden Werte eintreten und auftreten!

 

Herzlich

Ralph Reichel

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Podiumsdiskussion vom 06.12.2012

Liebe Kulturbürger!
Hier findet ihr den Link zu einem Artikel über die Podiumsdiskussion vom 06.12.2012:

http://www.alles-mv.de/2012/12/09/uber-die-konzeptlosigkeit-der-kulturpolitik/

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Berger: 647 zu 51.000 – Bündnisgrüne Landtagsfraktion zeigt alternative Auswertung der Theaterumfrage

Zu den Ergebnissen der Internetbefragung zu den neun Theatermodellen erklärt Ulrike Berger, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Nach der groß angekündigten Einrichtung einer Internetbefragung zu den neun Theatermodellen ist die Präsentation der Ergebnisse nun ausgesprochen kleinlaut ausgefallen. Ohne weiteren Kommentar wurde ein einziges Kreisdiagramm auf der Homepage des Bildungsministeriums veröffentlicht. Die neun fast gleich großen Tortenstücke zeigen: es gibt für keines der Modelle auch nur annähernd eine Mehrheit. Vielmehr deutet die Vielfalt der Meinungen einmal mehr auf die große Verbundenheit der Menschen mit „ihrem“ Theater hin.
Denn jedes ist für die jeweiligen Regionen sehr identitätsstiftend. Die mit 647 Stimmen geringe Beteiligung kann zugleich nicht überraschen. Schließlich hatten die Teilnehmer keine Möglichkeit, sich gegen die Modelle insgesamt auszusprechen. Wer eigene Modelle und Vorschläge einbringen wollte, musste vorher trotzdem alle Modelle mit den Platzierungen eins bis neun bewerten.
Leider ist die Auswertung dieses aufwendigen Umfragemodus dann sehr mager ausgefallen. Interessant wäre zum Beispiel, welche Modelle am stärksten abgelehnt wurden. Im Vorfeld hatte Bildungsminister Brodkorb zudem angekündigt, die Ergebnisse der Umfrage in die Überlegungen zur Theaterstruktur miteinzubeziehen. Mich würde daher schon interessieren, welche Schlüsse der Bildungsminister daraus nun zieht. Zur Unterstützung der Meinungsbildung hat unsere Fraktion daher ein weiteres Diagramm erarbeitet.

Dieses bezieht die etwa 51.000 Bürgerinnen und Bürger mit ein, die der Landesregierung bereits ihre Meinung mitgeteilt und sich in der Volksinitiative für den Erhalt der heutigen Theater- und Orchesterstrukturen eingesetzt haben. Wie man sieht, ist dieses Tortenstück schwerlich zu ignorieren.“

Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Mecklenburg-Vorpommern
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Lampionumzug vom 04.12.2012

Liebe Kulturbürger!
Wir danken für die vielen Beteiligten, die gestern trotz Regen und Kälte stolz ihren Lampion, ihre Fackeln und Kerzen vor den Landtag und durch die Stadt getragen haben!

„Verlasst euch drauf, wir hör’n nicht auf. Rabimmel, Rabammel, Rabumm!“


Und hier nochmal der ganze Text zum fleißig Singen:

-1-
Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir.
Mein Licht ist schön, könnt ihr es sehn? Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

-2-
Wir zieh’n für unser Theater und für die Kultur zum Schloss.
Da oben prüft man Modelle und unten ist Verdruss.
Verlasst euch drauf, wir hör’n nicht auf. Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

-3-
Wir kämpfen für unser Theater, weil’s ohne Theater nicht geht.
Kultur, die muss man schützen, ob ihr das wohl versteht?
Drum schließt euch an, ob Frau, ob Mann. Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

-4-
Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir.
Ich trag mein Licht und fürcht mich nicht. Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

-5-
Wir haben ‘ne neue Fahne, die kann man vom Schlosse aus seh’n.
Vielleicht kommt die Landesregierung ja doch noch auf bess’re Ideen!
Kulturschutz hier, das fordern wir! Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

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Einladung zur Ausstellungseröffnung

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freundinnen und Freunde,

im Frühjahr portraitierte der Fotograf Johannes Xaver Zepplin im Rahmen der Kulturschutz-[X]-Aktionen über 100 TheatermitarbeiterInnen.

Auf Einladung der Landtagsfraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN werden 20 Motive der Portraitgalerie nun in einer Ausstellung im Landtag präsentiert. Sie gibt einen Einblick in verschiedene Theatercharaktere, vom Praktikanten bis zum Intendanten sind alle Sparten, Gewerke, Abteilungen vertreten.

Wir freuen uns auf Ihr Interesse zur Ausstellungseröffnung

am 4. Dezember 2012

um 12.00 Uhr

im Landtag Mecklenburg-Vorpommern

und bitten um die erforderliche Anmeldung bis zum 03.12.2012: telefonisch unter 0385 52 52 482 oder per Mail an veranstaltungen@gruene-fraktion-mv.de.

Und denken Sie beim Landtagsbesuch bitte an den Personalausweis.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN im Landtag Mecklenburg-Vorpommern


©Johannes Xaver Zepplin

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“Koalitionäre wünschen von Minister Brodkorb keine Berichterstattung im Ausschuss”

 

Die Landtagsfraktionen der SPD und CDU haben im heutigen Bildungsausschuss den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN abgelehnt, Bildungsminister Brodkorb über die gestrige Entscheidung zu den Theatermodellen berichten zulassen. Dazu die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIEGRÜNEN, Ulrike Berger:

„Wir bedauern, dass die Koalitionäre ihrem Minister nicht erlauben, die Abgeordneten im für Kultur zuständigen Landtagsausschuss über diese wichtigen Entwicklungen zu informieren – obwohl der Minister Brodkorb im Ausschuss sogar anwesend war. Eine entsprechende Unterrichtung wäre angeraten gewesen, denn alle über die Medien verbreiteten Verlautbarungen deuten darauf hin, dass die Koalition auf eine Kulturpolitik der Fragezeichen und „Vielleichts“ setzt. Während sich die Theaterträger innerhalb kürzester Zeit klar positionieren sollen, will Minister Brodkorb eventuell eine Landesträgerschaft, eine Dynamisierung erst ab 2020, unter Umständen eine Beteiligung an Abfindungen und Umstrukturierungskosten. Die Theater sollen acht weitere Jahre mit Fusionen und Entlassungen in Vorleistung gehen, bevor die Landesregierung sich in Form einer dynamischen Kostensteigerung beteiligt. Wie sollen die verantwortlichen Kommunen und kommunalen Entscheidungsgremien so eine verlässliche Entscheidung fällen können? Wir hoffen, dass sich die Landesregierung die Warnung der Sachverständigen – einschließlich des Landesrechnungshofes – vor den „Matching Funds“ zu Herzen genommen hat und diese nun aufgibt. Vielmehr ist bereits jetzt dringend ein Einstieg des Landes in eine Dynamisierung – d. h. in die Berücksichtigung der jährlichen Kostensteigerungen, die in den meisten Landesbehörden selbstverständlich ist – nötig, damit die Theater nicht während des Entscheidungsprozesses in die Insolvenz geraten. Überrascht nehmen wir zur Kenntnis, dass der Koalitionsausschuss den Minister aufgefordert haben soll, mit den Kommunen schnellstmöglich in Verhandlungen zu treten. Bisher war zunächst eine wirkliche Tiefenprüfung der ausgewählten Modelle angekündigt worden, da die Metrum-Modelle bisher nur auf groben Annahmen beruhen – wie die Metrum Management GmbH selbst betont. Die beiden von der Koalition favorisierten Modelle sind nicht nur mit massiven Einschnitten und Strukturveränderungen verbunden – Fusionen über so weite Entfernungen sind in Deutschland bisher auch beispiellos. Damit werden wir nicht nur das Land mit den größten Landkreisen, sondern auch das Land mit den längsten Wegen der Künstler zu ihren Bühnen. Viele Experten halten dies allerdings für nicht realisierbar. Eine definitive Entscheidung dafür und entsprechender Druck auf die Kommunen wäre damit zum jetzigen Zeitpunkt verantwortungslos.“

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Rabimmel + Rabumm!                                                                                                                                                22.11.2012

Liebe Kulturbürger!

Am 4.12.12 treffen wir uns 16 Uhr mit Lampions und Laternen und Kerzen und formieren ein Kulturschutzkreuz auf dem Eckhofplatz, direkt neben dem Theater. [Natürlich versuchen wir auch, dies vom Kantinenbalkon aus zu fotografieren.]

Anschließend ziehen wir in einer langen Lampionumzugsreihe einmal ums Schloss und dann weiter in Stadt und Land und auf den Weihnachtsmarkt.

Also erscheint zahlreich, bringt Kinder und Großeltern mit und nutzt die dunklen Abende bis dahin, um gemeinsam Lampions zu basteln oder zu kaufen. Wenn man dann auf dem durchscheinenden Lampion, auf dem Glas der Laterne ein Kulturschutzkreuz aufmalt (deckende Farbe) oder aufklebt (einfach dichtes Klebeband), dann werden lauter schöne Kulturschutzlichter um das Schloss wandern und Licht ins Dunkel bringen.
Wir hoffen sehr, dass wir mit Hilfe der gesanglich begabten Kräfte des Hauses mit fröhlichen Liedern stehen und gehen. Toll wäre auch wenn es gelingt, dass die mobilen und wettertauglicheren Instrumente aus dem Orchester, dem Lichterzug gelegentlich den Marsch blasen, bzw. die Flötentöne beibringen. Und wer neue Strophen für Rabimmel, Rabammel dichten mag, der kann gern sein Talent beweisen.

Damit niemand denkt, dass unser Zug ums Schloss bedeuten soll, dass die Kultur einen Bogen um den Landtag macht, wird an diesem Tage voraussichtlich der Kulturschutz noch auf anderem Wege im Inneren des Schlosses  ein Zeichen setzen oder hängen. Dazu mehr in der nächsten Mail.

Rabammel!

Ralph Reichel

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Rabimmel, Rabammel, Rabumm!                                                                                          20.11.2012

Liebe Kulturbürger!

Was können wir tun, um nicht als scheinbare Jammerbrigade nur den kontinuierlichen finanziellen Abbau beklagen, sondern in einer Vorwärtsbewegung zu sein und zu bleiben?

Klar. Kultur zu schützen ist die unverzichtbare Grundaufgabe. Sie lebendig zu halten und weiter zu entwickeln eine weitere und notwendige Aufgabe. Wenn man aber immer mit dem Rücken zur Wand steht, sich permanent rechtfertigen muss und deshalb immer defensiver agiert, dann schlägt dies aufs Gemüt, auf die Kreativität, auf die Qualität und man wird doch oder gerade deshalb am Ende weggestrichen.

Also vorwärts denken, nicht nur festhalten, sondern Ideen, Innovationen wagen, heilige Kühe aufs Eis jagen und notfalls schlachten, um mit Inhalten und Ideen progressiv Druck zu erzeugen, statt nur zu betteln.

Ein Versuch, Visionen zu formulieren:
Am 6.12. lädt die Kulturpolitische Gesellschaft und das Aktionsbündnis Kulturschutz zu einer abendlichen Podiumsdiskussion ins Konzertfoyer. Unsere Veranstaltungspartner haben einen der renommiertesten Wissenschaftler auf dem Feld der Kulturpolitik im deutschsprachigen Raum einladen können: Prof. Wolfgang Schneider, Institutsdirektor aus Hildesheim. Er wird einen Impulsvortrag zur Entwicklung der Strukturen in der Theaterlandschaft halten. Dabei geht er meist von der Notwendigkeit sich stetig neu reformierender Strukturen aus, die sich an den Aufgaben, an der Funktionsbestimmung von Kunst und Kultur orientieren müssen. Hier wird also vom Kern des Wirkens der Kultur in einer Gesellschaft aus formuliert und nicht von der willkürlichen Zahl 35,8 Millionen aus an Konzepten gearbeitet. Was ist ein akzeptabler methodischer Ansatz für eine Reform?
Als Gesprächspartner für die Podiumsdiskussionen haben wir u.a. Staatssekretär Sebastian Schröder aus dem Kultusministerium und den Vorsitzenden des Kulturrates von MV, Dr. Michael Körner, gewinnen können. Beide waren bei der Gesprächsreise von Metrum und Ministerium zu den Theatern und Trägern dabei und sind damit intensiv mit der aktuellen Modelldiskussion in allen Landesteilen vertraut. Leiten wird die Diskussion Dr. Rita Gerlach-March von der Kulturpolitischen Gesellschaft gemeinsam mit dem Journalisten Wolfram Pilz. Weitere Entscheidungsträger und von den Modellen unmittelbar Betroffene werden an der Veranstaltung teilnehmen.

Ich freue mich sehr darüber, dass uns die Kulturpolitische Gesellschaft die Teilnahme von Prof. Schneider (auch finanziell) ermöglicht.

Mit unseren Veranstaltungen versuchen wir im Aktionsbündnis Kulturschutz neben dem Protest auch immer wieder sinnfällig zu machen, dass wir nicht nur mit Trillerpfeifen gegen die Veränderung anpfeifen, sondern an einer inhaltlich ausgerichteten Veränderung teilhaben, mitgestalten wollen.

Ich schlage deshalb vor, dass wir ergänzend zum Begriff des Wutbürgers den des Kulturbürgers für uns einführen.

Ralph Reichel

p.s.

In Wikipedia wird der Wutbürger als gut verdienender Bürger, der von politischen Entscheidungen frustriert ist, beschrieben. Den guten Verdienst haben nicht alle Kulturschützer. Die Enttäuschung als Grunderfahrung schon. Deshalb eint alle Aktiven der Anspruch auf Partizipation, auf Teilhabe und Mitgestaltung an dem, was wir als demokratische Gesellschaft leben wollen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wutb%C3%BCrger

Das Ziel ist also klar: Kulturschutz in die Verfassung und Kulturbürger als Begriff in den Duden!

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Statement – Welches Modell?

Das Kultusministerium lässt seit dem 5.10.2012 online über die 9 Modelle zur Reform der Theater und Orchester in MV abstimmen. Dazu hat es die über 150 Seiten des Gutachtens der Münchner Metrum Managementberatung online gestellt. Jeder Internetnutzer ist jetzt also in der Lage und somit aufgerufen, die Modelle 1-9 auch auf die Ränge 1-9 zu sortieren. Natürlich sollte er sich vorher mit den 150 Seiten des Gutachtens beschäftigt haben. Dies ist natürlich frommer Glaube.
Gern würden wir jetzt helfend die Stimme erheben, sagen: wir haben gründlich gelesen und empfehlen Nr. X!
Leider geht dies nicht. Faktisch, weil es das Wunschmodell bei 1-9 nicht gibt, aber auch aus moralischen Gründen.
Denn natürlich müsste ich als Schweriner Theatermensch für die Leuchtturmvarianten, also No 8 oder 9 sein, weil darin das hiesige Theater bewahrt und entwickelt wird, ergänzt durch einen weiteren vom Land gestützten Leuchtturm in Rostock oder Stralsund/Greifswald. Aber diese Leuchttürme werden im Modell dadurch besser finanziert, indem an anderen Standorten dynamisch gekürzt wird. Und als Theatermitarbeiter öffentlich zu empfehlen, kürzt nicht bei mir, aber bei den anderen Standorten, dies geht nicht.
Wenn man dann moralisch wertvoll schaut, was am akzeptabelsten ist, wenn überall gespart wird, schaut man sich die Modelle 6 und 7 an, bei denen Staatstheaterfusionen für Schwerin und Rostock und gegebenenfalls auch für Vorpommern angedacht sind. Da sind durchaus auch vernünftige Gedanken in dem Modell, aber kann man den Abbau von 114 Stellen in Rostock/Schwerin, bzw. 220 Stellen im ganzen Land wirklich „empfehlen“?!
Die Modelle 3-5 beinhalten unterschiedlich kombinierte Staats- oder Landesopern, die sich als Betreibergesellschaften in Landesträgerschaft befinden, aber in kommunal getragenen Stadttheatern neben den anderen Sparten arbeiten sollen. Dies geht an der Lebenswirklichkeit vorbei. Hier schafft man sich permanente Konflikte im Arbeitsalltag, die nicht fair gelöst werden können. Außerdem geht das Gutachten davon aus, dass durch die Zusammenlegung der Musiktheatersparten von Rostock und Schwerin u.a. auch 29 Bühnentechniker und ca. 20 Mitarbeiter von Kostümabteilung und Maske eingespart werden können. Wie bei vorgeblich steigender Qualität und reisenden Produktionen so signifikant im Bereich der Vorstellungsbetreuung gespart werden kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Zumal dann laut Gutachten die Techniker der Oper getrennt von denen des Stadttheaters geführt werden. Es kann also nicht eine Truppe eine Opernvorstellung ab- und eine Schauspielvorstellung aufbauen. Unsinn, denke ich.
Das Modell 1 und 2 nicht machbar sind, die von weiterhin gedeckelten Finanzen und damit u.a. dem sofortigen Abbau der mindestens 79 Stellen in Schwerin und dann jährlich folgend einem weiteren Personalabbau an allen Standorten ausgehen, ist klar.
Was kann man empfehlen? Eine Rubrik 10 gibt es nicht, die schlicht heißen könnte, die Theaterlandschaft wird im Bestand erhalten und die Mittel werden dynamisiert.
Keinen der Vorschläge auf Rang 1 setzen und nur das Kommentarfeld ausfüllen, dies geht leider auch nicht. Man muss alle Modelle von 1 bis 9 platzieren.
Privat hab ich also entschieden, dass ich als in Schwerin beschäftigter Mensch Nr. 9 und 8 wählen müsste und dass die Unwählbarkeit mit sinkenden Nummern immer größer wird. Also hab ich Modell 9 auf Rang 1, die 8 auf die 2 usw. gesetzt, bis Modell 1 auf Platz 9 landete und sich eine Punktdiagonale von oben rechts nach unten links ergab. Dann hab ich in das Kommentarkästchen geschrieben, dass ich mir allerdings ein Kulturentwicklungskonzept wünsche, welches Modell 10 sein sollte und ohne Kündigung auskommt! Dies kann man dann ausschmücken.
Da könnte ich mir – natürlich nur als Privatperson – vorstellen, dass in Mecklenburg ein Mecklenburgisches Staatstheater und in Vorpommern eine Landesbühne als Leuchttürme in Landesträgerschaft funktionieren. Und in Rostock würde es ein starkes Stadttheater natürlich mit Unterstützung des Landes geben. So eine Struktur mit Staatstheater und Landesbühne, mit Stadttheatern und Theaterverbünden haben fast alle Bundesländer. Dazu braucht es einen Denkansatz, der vom Inhalt ausgeht, dann überdenkt, wie es zu realisieren ist. Bisher ist die Vorgabe fiskalisch und populistisch – das Geld ist gedeckelt und alle Standorte müssen erhalten bleiben. Auch wenn die Interpretationen des Metrumgutachtens gelegentlich den Anschein erwecken wollen, so ist es doch unmöglich, mit weniger Geld bei gleicher räumlicher Präsenz im Flächenland ein qualitativ wachsendes Kulturangebot zu realisieren.

Ralph Reichel
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Orchester-Flashmob im Landtag

Am 10. Juni war Tag der offenen Tür im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Die Staatskapelle nutzte die Gelegenheit  für einen Flashmob und bereicherte die Veranstaltung im Schloss mit “Pomp & Circumstance March No. 1″ von Edward Elgar.

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KulturWachen am 6.6.:

Undine Labahn und Ruth Kiefer vom Opernchor lasen aus Elke Heidenreichs “Passione”, Liebeserklärung an die Musik.

Die Schauspieler Andreas Lembcke und Anja Werner mit ihrer Aktion “Was bleibt…”

 

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KulturWache als Musikalische Mittagspause mit Volksliederduos für Violine & Viola (ad libitum zum Mitsingen)

Angela Künzel und Hartmuth Juch von der Mecklenburgischen Staatskapelle werden am 25.5. ab 12:30 an der Schlossbrücke für den Kulturschutz aufspielen.

 

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Die Saat soll aufgehen.

Das KulturschutzCamp vor dem Schloss ist abgebaut. Vorerst. Genau einen Monat hat die bisher längste KulturWache gedauert. Mit einer gemeinsamen Rasenpflegeaktion von Kirchen- und Theaterleuten, von Politikern verschiedener Parteien und von Vertretern der Basisdemokratie endete am Sonntag diese Etappe. Die Kulturschützer bedankten sich bei den Unterstützern aus den Parteien, aus vielen Organisationen und Institutionen.
Und Ihnen wurde gedankt. Im Video hier von Angelika Gramkow.

Bereits am Mittwoch ist der nächste wichtige Termin im Kulturschutzkalender: Die öffentliche Anhörung zur Volksinitiative im Plenarsaal des Landtages. Öffentlich meint hier nicht nur Internetstream, sondern es ist möglich, direkt im Schloss dabei zu sein, die Realität des demokratischen Prozesses zu verfolgen. Jeder, der einen Personalausweis vorweisen kann, darf in die Räume des Landtags. Dies darf als Einladung verstanden werden!

 

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KulturschutzCamp zieht in die Mitte der Stadt Schwerin
Presseinformation:

Seit dem 13.4.2012 gibt es ein vieldiskutiertes Camp vor dem Schweriner Schloss, welches sich als Mahnwache für den Kulturschutz versteht. Am 12.5. findet ein Umzug zur „Demokratie Jetzt“ – Veranstaltung auf dem Schweriner Marktplatz statt. Am 13.5. folgt der Frühjahrsputz auf der Wiese vor dem Schloss. Alle Zelte werden… komplett abgebaut, der Platz aufgeräumt und die Wiese gefegt.

Was ist das KulturschutzCamp?!
Am 8.4. postete ein demokratiebewegter junger Bürger Schwerins, dass er am 13.4. auch eine Aktion fürs Theater starten will: eine 48-Stunden-Dauermahnwache an der Schlossbrücke. Er suchte ein bis zwei Freiwillige per facebook. Mittlerweile gibt es einen eigenen Internetauftritt des Kulturschutzcamps, welches aus dieser Idee gewachsen ist. Inzwischen sitzen junge und ältere Menschen nach Arbeit oder Schule gemeinsam in Diskussionsrungen und reden über ihre Auffassung von Demokratie. Der Kampf für das Theater ist Anlass geworden, über die von parlamentarischer und außerparlamentarischer Politikarbeit zu reden. Die Volksinitiative als Mittel sehr direkter Demokratie und die verschiedenen Formen von Protestkultur sind nicht mehr nur Theorie in der Schule oder am Stammtisch, sondern bewegen die Menschen der Stadt sehr praktisch. Mittlerweile waren prominente Mitglieder von allen demokratischen Parteien im Camp, haben zum Teil an den täglichen Diskussionsrunden teilgenommen. Torsten Koplin von den Linken, der deren Theaterkonzept maßgeblich entwickelt hat, konnte dieses auch hier erklären. Bildungsminister Mathias Brodkorb hat sich wiederholt vor Ort erkundigt, was gerade die jungen Menschen zur Unterstützung des Staatstheaters motiviert. Silke Gajek von den Grünen war ebenfalls mehrfach mit den Aktivisten im Gespräch. Weitere Politiker haben sich zu Diskussionen über Kultur und Jugendarbeit im Camp angekündigt. Viele Bürger und Gäste waren am Infostand und haben über Theater- und Kulturförderung diskutiert. Nicht jeder konnte vom Kulturschutz überzeugt werden, aber viele konnten sich davon überzeugen, dass politische Aktivitäten, auch oder gerade außerparlamentarische, Spaß und Sinn zugleich machen können. Insofern war und ist das Camp nachhaltig. Wenn der Abzug der Kulturschutzcamper am 12.5. als Umzug zur Veranstaltung auf dem Markt stattfindet, dann soll dies auch symbolisch dafür stehen, dass der Kulturschutz, dass die lebendige Demokratiebewegung in die Mitte der Stadt, in die Mitte der Gesellschaft getragen wird.

 

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Zum aktuellen Stand der Dinge:

Am 25. und 26. April hatte der Landtag die ca. einmal monatlich stattfindenden Sitzungstage. Am 25.4. stand endlich die Debatte zur Volksinitiative auf der Tagesordnung. Diese Initiativbewegung mit dem Ziel der Erhaltung der Theater- und Orchesterlandschaft in MV hatten rund 50000 wahlberechtigte Mecklenburger unterzeichnet. Nur 15000 sind nötig, damit sich der Landtag mit einem solchen Antrag beschäftigt. Es gab eine längere Debatte ohne grundsätzlich neue Erkenntnisse. Grüne und Linke wollen eine Finanzierungssicherung sofort. Die CDU fordert ein Lösungsmodell zum Juni und hält auf dessen Basis die geforderte Dynamisierung der Mittel für möglich. Die SPD, die das Fachministerium führt, hat eine Ausschreibung initiiert, mit der eine externe Firma gefunden werden soll, die 5 Modelle entwickelt.

Der Antrag der Volksinitiative wurde also nicht positiv entschieden, sondern in den Bildungsausschuss überwiesen und dort gibt es am 16.5. eine Expertenanhörung dazu.

Am 26.4. wurde dann außerdem das von der Partei Die Linke eingebrachte Modell zur Theaterfinanzierung diskutiert. Hierzu gab es eine heftige und ausführliche Diskussion. Es gab Lob und Kritik. Und natürlich wurde das Konzept der Oppositionspartei von den Regierungsparteien abgelehnt. Einstimmig, wenn ich richtig informiert bin.

Während dieser Tage liefen die Aktionen des Kulturschutz natürlich auf Hochtouren. Wir haben bei Sitzungsbeginn die Abgeordneten am ersten Tag mit Musik empfangen. Am zweiten Tag sprach und spielte Jochen Fahr ab 8 Uhr morgens Kafka. Wir haben im weiteren musiziert, demonstriert, gebadet und gesungen. Wir haben, um die Volksinitiative sinnlich zu machen, für je 50 Unterschriften einen Luftballon aufgeblasen und dann eine Kette von Menschen und 1000 Luftballons um das Schloss gezogen, in dem der Landtag über die Kultur in MV entscheidet. Mögen unsere Aktionen Wirkungen in Hirn und Herz hinterlassen.

 

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KulturWache: “Gestern war Theater?”

Am 18.4.2012 liest ab 12.30 Hannelies Höchel vom Mecklenburgischen Staatstheater Literatur übers Theater. Manfred Zelts Buch – “Morgen war Premiere” – wird dabei sein. Wer zuhören will, wer auch gute Literatur zum Theater hat, der komme und höre oder lese.

Der Vorstand vom Verein der Theaterfreunde wird der Bibliothek des Landtags im Schloss eine Kiste mit Literatur zur Theatergeschichte als Schenkung überreichen. Damit haben die Abgeordneten noch mehr Möglichkeiten, sich über das kulturelle Erbe zu informieren.

Wir stehen mit einer Spendenbox für den Kulturschutz auf der Brücke und stehen für Gespräche und Fragen mindestens eine Stunde zur Verfügung.

 

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Danke Schwerin! Danke Mecklenburg! Danke Rostock! Danke Berlin! DANKE!

Die SVZ hat 3000 Menschen auf dem Marktplatz gezählt. Danke fürs Zählen. Und Danke an Sie, an Euch Menschen, dass Ihr da ward, dass Ihr mit uns gesungen und musiziert habt. Es war ein Fest für das Theater mit den Mitarbeitern und Freunden und Unterstützern und Liebhabern und Kennern und potentiellen Nachwuchskünstlern und auch vielen Politikern.
Schön war’s!
Doch das war es noch lange nicht. Es geht natürlich weiter! Im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur wird an einem oder mehreren Konzepten für die Theater- und Orchesterlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns gearbeitet. Im Herbst soll es präsentiert werden. Bis dahin – und darüber hinaus – ist es wichtig, dass wir weiter mit den Abgeordneten reden. Dass die Debatte über die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Kultur in den Köpfen und den Medien weitergeht. Wir müssen mit Theaterarbeit und Medienarbeit, mit Spaß und Freude zeigen, dass wir da sind, dass wir zwingend zur Identität und Qualität des Landes gehören.
Im Moment sind die Medien mit und bei uns. Auch weil sie spüren, dass die Menschen sich mehrheitlich die Landeshauptstadt und das Land nicht ohne den kulturellen Leuchtturm Staatstheater vorstellen wollen und können. Wir wollen mit dem hiesigen Publikum und den anreisenden Kulturtouristen, mit unseren Abgeordneten und Regierenden weiter ins Gespräch kommen oder im Gespräch bleiben.
         KULTURSCHUTZ MUSS ETWAS ALLTÄGLICHES UND SELBSTVERSTÄNDLICHES WERDEN!

 

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Demo auf dem Markt vor dem Rathaus in Schwerin am 26.3.2012 ab 15:45 Uhr

und: Informationen zur aktuellen und grundsätzlichen Situation

 

Die Demo – über drei Dinge wollen wir grundsätzlich informieren:

 

1 – Kulturprogramm statt Trillerpfeifen – wir feiern mit der Stadt, dass diese ihr Theater liebt und lebt!

2 – Füreinander und Miteinander – Ensemblemitglieder des Staatstheaters treten auf, Musiker der Stadt spielen für das Theater und viele Programmpunkte können gemeinsam gesungen werden.

3 – Die Stadt KANN das Theater nicht allein retten. Die Stadt kann und wird den sofortigen Kahlschlag verweigern und die Aufgabe einer neuen Struktur- und Finanzreform bleibt zentral beim Land.

 

Information 1

Wir, die Theatermitarbeiter, die sich im Aktionsbündnis Kulturschutz zusammengeschlossen haben, sind in den letzten Tagen mit einem fröhlichen und lustvollen Programm, mit Flashmobs und Umzügen, mit Mahnwachen und Kinderfest, mit Plakaten und Flugblättern aus dem Theater raus in die Stadt gegangen. Dies war nur möglich mit der Hilfe vieler Unterstützer aus Stadt und Land. Dafür sind wir sehr dankbar. Auch die Mehrheit der Politiker dieser Stadt ist auf unserer Seite. Wir müssen nicht gegen sie anstürmen sondern mit ihnen gemeinsam demonstrieren, dass wir zusammen eine starke Kraft sind!

 

Information 2

Von 15:45 bis mindestens 17 Uhr gibt es Programm auf dem Markt. Der Schauspieler Jochen Fahr wird moderieren. Es wird die Staatskapelle allein und mit dem Chor musizieren, das Schauspiel wird mit dem Ballet und der Fritz-Reuter-Bühne und Gästen aus verschiedenen Bereichen zu hören sein. Wir freuen uns auf Beiträge von Pomp and Circumstance über den Gefangenenchor aus Nabucco bis zu einem gemeinsamen Volkslieder-Singen, freuen uns auf Mozart auf Metall  und zu Let The Sunshine In für und mit allen!

Außerdem gibt es ausgehend von einer Kollegin vom Ataraxia den Aufruf, sich auf die Ode an die Freude vorzubereiten. Wir werden erleben, wie Musikschüler und Musiker der Stadt mit Ihren Instrumenten erscheinen und zwischen 16 und 17 Uhr die verbindende Kraft in den sonnigen Schweriner Himmel schmettern. [nicht unruhig werden – ihr werdet von der Bühne aus anmoderiert]

 

Information 3

Inhaltlich ist es ja immer komplizierter: Die Fraktionen der Stadtvertreter haben beschlossen, dass sie sich übergreifend auf eine Position einigen. Die heißt kurz: Es muss saniert werden. Aber das Land hat für den Herbst eine Strukturreform für die Theater- und Orchesterlandschaft MV angekündigt. Erst wenn es ein inhaltliches Zukunftskonzept für alle gibt, kann auch sinnvoll über die dazu stimmigen Umgestaltungen in Schwerin entschieden werden. (Fusionen, Kooperationen sind effektiv nur möglich, wenn beide Partner bei der Heirat noch lebendig sind.) Bis zu diesem Zeitpunkt verweigert die Stadtvertretung einen radikalen Stellenabbau, der mit keinerlei zukunftssicherndem Konzept unterlegt ist.

Um den aktuellen Personalbestand bis zu einer Reform des Landes zu halten, braucht es Geld für eine Zwischenfinanzierung des Landes. Wenn dies gekommen ist, dann ist die Kuh aber noch nicht vom Eis, weil nur der Moment gesichert ist, aber die Zukunft unklar. Wir werden also weiterhin kämpfen müssen. Nach der Zwischenfinanzierung braucht es ein Konzept, welches dauerhaft die kulturelle Substanz sichert und perspektivisch Qualitätssteigerung statt –Verlust möglich werden lässt.

 

 

Wer tiefer in die Problematik einsteigen will, lese weiter.

 

Grundproblem:

Kultur ist wie Bildung keine Geschäft, mit dem man direkt Geld verdienen kann.

Natürlich gibt es Privatschulen, die Gewinn abwerfen, natürlich gibt es Musicaltheater, die Geld verdienen. Wenn wir aber von Bildung als Pflicht für alle und Kultur als möglich für alle Bürger ausgehen wollen, wird sie nicht profitabel sein. Erst wenn man die Auswirkungen von Kulturverlust erlebt, die Folgen für Mensch und Gesellschaft, die negativen Auswirkungen auf die bestehende Wirtschaft und mögliche Neuansiedlungen mit bedenkt, wird Kultur zu etwas sehr wertvollem, zu einem der rentabelsten Investitionen der zivilisierten Gemeinschaft. Ebenso ist es mit der Bildung. Die Wirtschaftskraft Deutschlands beruht auf Innovation und Qualität, auf dem guten Ausbildungsstand der Menschen.

Die Ausgaben für Bildung und Kultur sind die Basis für eine starke Position in Wirtschaft und Weltpolitik.

 

Seit 1994 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern die Zuschüsse für die Theater- und Orchester gedeckelt. Die Summe soll bis 2020 nicht steigen. Dies bedeutet, dass Kostensteigerungen ignoriert werden, nur durch Personalabbau innerhalb des Theaters aufgefangen werden können. Natürlich werden Löhne und Diäten für Staatsbedienstete, natürlich werden die Budgets von allen Einrichtungen des Landes, natürlich wird da dynamisiert. Kein Mensch geht davon aus, dass er 2020 die Summe x noch soviel Wert ist, wie 1994. Es gibt eine Inflation, es gibt Tarifsteigerungen. Wenn im Theater durch Kostenerhöhungen, die alle betreffen, ein Mehrbedarf an Geld entsteht, tönen Politiker wider besseres Wissen, dass das Theater seine Hausaufgaben machen muss. Theater und Orchester in Schwerin haben Ihr Personal von 1991 bis heute von 640 auf 320 Mitarbeiter reduziert. Jedes Mal ein neuer Schnitt. Aber mit jeder Tarifrunde, mit jeder Erhöhung des Ölpreises, steigt auch der Strompreis – und wir können nicht ohne Heizung und Licht ins Theater einladen. Also fallen Stellen weg. Wenn das Land Mindestlöhne einführt, dann ist dies richtig. Damit feiert sich jeder Politiker gern. Dass eine bessere Bezahlung unserer Pförtner zu einer Kostenerhöhung führt, die an anderer Stelle zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führt, dafür will keiner zuständig sein.

Kurz: Das Theater hat in den letzten Jahren viele Reformen und Umstrukturierungen erlebt. Keine war dauerhaft erfolgreich, weil es keine sein konnte! Sobald ein ausgeglichener Zustand erreicht wurde, kam natürlich die nächste Drehung an der Kostenschraube und somit das nächste Finanzloch. Theaterfinanzierung braucht eine Dynamisierung, wenn das Angebot – wie immer wieder gefordert – in Qualität und Breite erhalten werden soll. Das weiß das Land auch.

Ziel kann und muss also sein, dass eine tragfähige Struktur für die Theaterlandschaft in MV entwickelt wird. Dabei muss das Land moderieren und als wichtigster Finanzier auch Entscheidungen für und gegen bestehende Strukturen treffen. Damit macht man sich nicht nur beliebt, aber ist dauerhaft glaubwürdiger und hoffentlich erfolgreich. Und diese neuen Strukturen brauchen mit dem Start die Vereinbarung über die Dynamisierung der Mittel von Land UND Stadt. Dann gibt es Zukunft, dann haben alle verstanden!

 

Ergänzung:

Aus den vielen Diskussionen der letzten Wochen kennen wir diverse Argumente und Vermutungen. Wir können hier nicht alle vorwegnehmen, möchten aber zu einer Diskussion im Netz und zukünftig auch bei Diskussionsveranstaltungen im Theater einladen. Einige Punkte sollen schon hier angesprochen werden:

A) Einnahmesteigerung als Chance.

Wir haben am Budget einen Einnahmeanteil von 22-24%. Damit sind wir absolutes Spitzenfeld im bundesdeutschen Vergleich. Es ist illusorisch da noch spürbare Steigerungen zu erreichen. Andere Theater in vergleichbarer Größe und regionaler Nähe erreichen Anteile von unter 10%.

B) Senkung der Sachkosten, um Stellenstreichungen zu vermeiden.

Natürlich kann man immer noch Details optimieren. Dies machen wir auch weiterhin. Aber die Dimensionen sind zu gering, als dass sie sich entscheidend auf die Gesamtsituation auswirken könnten. Bei einem Budget von über 20 Millionen liegt der Anteil der Sachkosten für Bühnenbilder bei rund 360 Tausend Euro im Jahr. Da kann man reduzieren und wird dann aber direkt in künstlerische Substanz schneiden. Wollen wir ein Einheitsbühnenbild, wollen wir auf die künstlerischen Möglichkeiten von Bühne, Licht, Kostüm verzichten?

Viele andere Sachkosten sind zwingend. Man braucht Licht und Telefon und Gebäudekosten um arbeiten zu können. Man braucht Computer und Kopierer und deren Wartung.

C) Stellenstreichungen ohne Substanzverlust.

Dies ist eine Illusion.

 

Sind Sie an Diskussionen interessiert? Schreiben Sie uns. Das Thema ist so komplex, dass sich in persönlichen Gesprächen am zuverlässigsten zu einem Verständnis finden lässt. Wir wollen mit dem Aktionsbündnis Kulturschutz auch eine Kommunikationsplattform bieten. Nutzen Sie dies für Kritik und Unterstützung, für Fragen und Vorschläge.

 

Ralph Reichel

 

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Theater und Orchester in Schwerin wurden von 1991 bis 2012 von 640 auf 320 Mitarbeiter reduziert. Der neueste Sparplan, der zynischerweise „Sanierungsplan“ heißt, verlangt in den kommenden drei Jahren die Streichung von weiteren 79 Stellen. Damit sind radikale Einschnitte für Qualität und Vielfalt des Angebotes zwingend verbunden, ohne dass die Abwärtsspirale dauerhaft gestoppt wäre.

Es ist nicht möglich, mit einer gleichbleibenden Summe über Jahre die gleichen Leistungen zu bekommen. Das Land hat die Finanzausstattung der Theater und Orchester seit 1994 fest gedeckelt und will das bis 2020 so beibehalten. Dies bedeutet, dass jährlich Stellen wegfallen müssen, um die ganz normale Teuerung, die Inflation auszugleichen. Wenn diese Entwicklung so gewollt ist, muss sich die Landesregierung dazu bekennen, dass sie die Schlossfestspiele abschaffen und das Mecklenburgische Staatstheater auf ein provinzielles Komödienstadl reduzieren will.

„MV tut gut.” Mit Natur und Kultur will das Land die Gäste locken und zum Urlaubsziel Nummer eins werden. Deshalb ist es notwendig, dass hier das im Grundgesetz verankerte Staatsziel des Naturschutzes ergänzt wird um die Zielstellung des Kulturschutzes! Hotellerie, Pflege- und Kureinrichtungen, sämtliche Bereiche der Tourismuswirtschaft profitieren von der Kulturlandschaft und der Natur in die diese eingebettet ist. Beide brauchen Schutz, Pflege, Entwicklung. In beiden Fällen ist es ein Aufwand, der sich gewinnbringend auswirkt. In beiden Fällen wirkt es im sinnstiftend menschlichen und finanziellen Sinne gewinnbringend für die gesamte Gesellschaft.

Am 26. März sollen die Stadtvertreter die Streichung beschließen. Der Landtag wird frühestens im April zu der mit 50000 Unterschriften unterstützte Initiative für die Theaterlandschaft tagen. Der Kultusminister will sich zum Oktober 2012 mit einem Konzept zu Wort melden. Dann sind die geforderten Kündigungen bereits ausgesprochen!

Werden Sie vorher aktiv und unterstützen Sie uns mit Ihrem Protest!